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Städte sind der Lebensraum der Zukunft. Damit sie lebenswert bleiben, sind energieeffiziente und nachhaltige Lösungen gefragt. Denn das hochkomplexe Gebilde Stadt verbraucht grosse Mengen an Ressourcen.

Schon heute lebt über die Hälfte der Weltbevölkerung im urbanisierten Lebensraum. Tendenz steigend. Für 2050 prognostizieren die Vereinten Nationen, dass etwa 75 Prozent der Menschheit eine Stadt ihr Zuhause nennen werden. In der Schweiz ist das schon heute so. Drei Viertel der Schweizer leben in Städten und Agglomerationen.  Zudem werden die Metropolen weltweit immer grösser. Zählten 1950 nur New York City und Tokio mehr als zehn Millionen Einwohner, gibt es inzwischen rund 30 Megastädte. Vor allem die Länder Asiens sind Weltmeister im Städtewachstum.

Mehr Menschen erfordern neue Lösungen, damit die Städte lebenswert bleiben. Ansatzpunkte gibt es viele: Architektur, Raumplanung, Mobilität oder Energieversorgung. All das muss neu überdacht werden. Auch Schweizer Wissenschaftler forschen an innovativen Konzepten für die Städte der Zukunft.

Effiziente Nutzung von Fläche und Energie

Die ETH Zürich hat dafür ein transdisziplinäres Forschungszentrum, das Future Cities Laboratory, in Singapur gegründet. Bei ihren Forschungen betrachten die ETH-Wissenschaftler Städte als komplexe Organismen, deren Ressourcen wie Energie, Wasser, Menschen, Fläche, Finanzen und Informationen möglichst effizient gemanagt werden müssen.

Am Future Cities Laboratory entstehen daher zum Beispiel Konzepte, um den Gesamtenergiebedarf durch eine neue Gebäudeleittechnik und die Nutzung erneuerbarer Energiequellen zu senken. Auch werden alternative Baumaterialien wie Bambus oder Gräser für mehr Nachhaltigkeit beim Bau erforscht. Bei der Planung der Infrastruktur wiederum sollen die Pendlerströme von Anfang an berücksichtigt werden, damit die Megastädte nicht in Verkehr, Lärm und Emissionen versinken.

Ein weiterer Ansatzpunkt der Forschenden der ETH sind innovative städtebauliche Pläne. Dazu zählt beispielsweise die Einbindung von Grünflächen in grosse Gebäude, um Probleme des verdichteten Wohnens wie schlechte Luftqualität oder Lärm zu mindern. Das nachträgliche Verdichten, die Erweiterung und Umnutzung des bestehenden Baubestandes, dienen weltweit einer effizienteren Stadtnutzung. Beispiele dafür sind die schicke Hamburger Hafencity mit Büros und Wohnquartieren im ehemaligen Gewerbehafen mit seinen Lagerhallen oder das Zwicky Areal zwischen Wallisellen und Dübendorf, wo auf dem Gelände der einstigen Seidenzwirnerei Zwicky & Co. AG ein neuer lebendiger Stadtteil entsteht.

Projekt NEST

Urbane Zukunft in der Schweiz

In der Schweiz gibt es vor allem in der Gebäudetechnik innovative Neuerungen. So wird im Ortszentrum von Brütten im Kanton Zürich ein energieautarkes Mehrfamilienhaus gebaut. Dieses Leuchtturmprojekt, das die Umwelt Arena  Spreitenbach zusammen mit mehreren Ausstellungspartnern realisiert, zeigt, dass die Umsetzung der Energiestrategie 2050 bereits heute möglich ist. Voraussichtlich ab Juni 2016 können die Mieter einziehen. Durch speziell gedämmte Wände, Sonnenenergie, Warmwassertanks als Energiespeicher im Boden, sparsame Geräte sowie ein transparentes Energiemonitoring sollen die Bewohner ganz ohne Strom und Wärme von aussen klarkommen. Nur das Wasser kommt aus dem öffentlichen Netz. Mit dem Projekt NEST entsteht derweil auf dem Gelände des Materialforschungsinstituts Empa in Dübendorf ein Gebäude mit modularen Wohn- und Arbeitsbereichen, in dem unter anderem Baustoffe sowie Energieflüsse und Versorgungstechnik der Häuser von morgen erforscht werden.

Vertikale Wälder und Lebensqualität

In Lausanne wurde der Bau eines begrünten Hochhauses beschlossen. Nach dem Vorbild seiner in Mailand erschaffenen Gebäude will Architekt Stefano Boeri in Chavannes-près-Renens einen «Tour des Cèdres» bauen. Der 117 Meter hohe immergrüne Bau soll gut fürs Klima und für das Wohlbefinden seiner Bewohner sein – ein Aspekt, der bei der Städteplanung immer mehr Beachtung findet. Schliesslich hat Lebensqualität einen Einfluss auf die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Bewohner. Zum urbanen Lebensgefühl trägt zudem die Vernetzung der Menschen untereinander bei, die sich durch neue Arbeitsformen wie Co-Working Spaces, beim Begrünen städtischer Flächen durch Urban Flowering und Gardening oder bei Kulturprojekten immer stärker austauschen und die Stadt der Zukunft damit aktiv selbst mitgestalten.

Inken De Wit

Umwelt Arena Spreitenbach

Die Umwelt Arena Spreitenbach hat eine Ausstellung «Energieautarkes Mehrfamilienhaus» realisiert. Ein 3D-Grossmodell zeigt den Aufbau und präsentiert die Partner sowie die technischen Lösungen. In Themenführungen mit Fokus auf das «Energieautarke Mehrfamilienhaus» erhalten Besucher vertieften Einblick in die Haustechnik und die Herausforderungen. Führungen sind für Gruppen buchbar über: fuehrungen@umweltarena.ch

Weiterführende Links

ETH Future Cities Laboratory:
www.fcl.ethz.ch

Energieautarkes Mehrfamilienhaus:
www.umweltarena.ch

Empa-Projekt NEST:
www.empa.ch/de/web/nest

Architekturbüro Stefano Boeri:
www.stefanoboeriarchitetti.net

Zwicky Areal:
www.zwicky-areal.ch

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