Staublawine im Wallis auf dem Versuchsgelände des SLF im Vallée de la Sionne.

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Wenn sich die weisse Winterpracht in eine Lawine verwandelt, reisst sie alles mit, was sich ihr in den Weg stellt. Die Experten am Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF in Davos erforschen die Entstehung von Lawinen und informieren über Gefahren.

Keine Lawine gleicht der anderen. Das macht ein Gespräch mit den Experten vom Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF in Davos schnell deutlich. So gibt es zum Beispiel die eher langsamen Nassschneelawinen, die ähnlich dem Wasser den Berg hinunterfliessen und Bäume umreissen oder Gebäude beschädigen können. Staublawinen wiederum entstehen, wenn sich trockener Schnee beim Abrutschen in die Tiefe mit Luft vermischt. Auf ihrem Weg ins Tal können dabei extrem grosse Lawinen bis zu 240 km / h erreichen.

Sprengen für die Sicherheit

«Am gefährlichsten für Schneesportler sind Schneebrettlawinen», sagt Thomas Stucki, Leiter der Lawinenwarnung beim SLF. Dabei breche eine schwache Schneeschicht ab und der darüber liegende Schnee gehe als Lawine ab. Wer ein Schneebrett auslöst, steht oft mittendrin und wird mit hinab gerissen – über 90 Prozent der Opfer haben ihre Lawine selbst ausgelöst. Die Skigebiete und Strassendienste sprengen daher potenzielle Schneelawinen und lösen sie so kontrolliert aus, damit Pisten und Strassen sicher sind.

Zehntausende Lawinen pro Jahr

«Wie viele Lawinen es jeden Winter in der Schweiz gibt, wissen wir nicht », berichtet Stucki. «Es sind sicher Zehntausende.» Entscheidend für die Entstehung von Lawinen seien das Gelände (z. B. eine Hangneigung von mindestens 30 Grad), das Wetter und der Aufbau oder die Stabilität der Schneedecke. Viel Schnee und wenige Schichten seien stabiler als wenig Schnee und viele dünne Schichten. Daher sind die schneeärmeren, inneralpinen Gebiete des Wallis und Graubündens grundsätzlich heikler als die schneereichen Alpennord und südhänge.

Künftig könnte der Klimawandel zu mehr Lawinenaktivität führen, so Stucki. Dann nämlich, wenn mit der Temperatur auch die Zahl starker Schneefälle ansteige. Ein gut mögliches Szenario: Schliesslich enthält wärmere Luft mehr Feuchtigkeit, was mehr Niederschlag nach sich zieht. Stuckis Tipp zum Schutz vor Lawinen: «Wer abseits gesicherter Pisten Schneesport betreiben möchte, braucht eine fundierte Ausbildung in der Beurteilung der Lawinengefahr und Übung im Umgang mit der Notfallausrüstung.» Weitere Informationen zur Lawinengefahr und Schneesituation gibt es auf der Website des Lawinenforschungsinstituts unter www.slf.ch.

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