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Eingesparte Energie ist die beste

Am Ende sind es die Kommunen, die die Energiewende vor Ort umsetzen. So sieht es Heinz Brennenstuhl, Bürgermeister von Gailingen am Hochrhein. EKS ON! sprach mit ihm über die Energie-Projekte in seiner Gemeinde.

Heinz Brennenstuhl ist seit 1986 Bürgermeister der Gemeinde Gailingen am Hochrhein. Sein politischer Schwerpunkt liegt im Ausbau der Infrastruktur der Gemeinde. Dies äussert sich unter anderem in einer nachhaltigen Entwicklung im Städtebau und der Erschliessung von Neubaugebieten mit entsprechenden Wohnmöglichkeiten für Familien.

Neben seinen politischen Verpflichtungen ist er unter anderem Mitglied im Kreistag des Landkreises Konstanz, im Sozial- und im Jugendhilfeausschuss, Vorsitzender des Altenpflegeheims und Verwaltungsrat der örtlichen Sparkasse. Seit vielen Jahren gehört er auch der Regionalversammlung Hochrhein-Bodensee an. Er ist Vater von drei Kindern, zwei davon erwachsen.

Bürgermeister Heinz Brennenstuhl
Bürgermeister Heinz Brennenstuhl

Herr Brennenstuhl, die Energiewende ist in aller Munde. In Politik und Gesellschaft. Wie sehen Sie dieses Thema und wo, denken Sie, liegt der Schwerpunkt?
Brennenstuhl: Die beste Energie ist die eingesparte Energie. Darum ist neue Technik sehr wichtig. Mit mehr Innovation, Kreativität und Professionalität ist die Energiewende zu schaffen.

In den Kommunen ist diese auch längst angekommen. Für mich war von Anfang an klar, dass wir hier ansetzen müssen. In Kyoto kann man davon reden, aber in den Kommunen wird es am Ende umgesetzt.

Wie kann Ihre Gemeinde einen Beitrag dazu leisten?
Brennenstuhl: Die Energiewende beinhaltet ein grosses Handlungsprogramm mit vielen Facetten. Das geht von der Raumplanung über kommunale Gebäude bis hin zu neuen Verkehrskonzepten.

Um dieses Energiemanagement überhaupt zu verstehen und anwenden zu können, haben wir eine Energieberatungs-Agentur engagiert. Ihr Know-how übertragen wir auf die Gemeinde und zeigen mögliche Massnahmen zum Energiesparen auf. Zusätzlich nehmen unsere Mitarbeiter an Fortbildungsprogrammen teil, die dann das Wissen zum Thema Energiewende weitergeben können.

Im Zentrum von Gailingen
Im Zentrum von Gailingen
Die Rheinuferpromenade
Die Rheinuferpromenade

Gailingen beteiligt sich am European Energy Award. Was bedeutet das für die Gemeinde?
Brennenstuhl: Der European Energy Award bietet der Gemeinde eine Strukturierung des ganzen Prozesses bei der Realisierung einer nachhaltigen Energieversorgung. Um einen Award zu erhalten, müssen wir bestimmte Ziele erreichen bzw. Massnahmen umgesetzt haben. Der geordnete Prozess unterstützt uns bei der Zielerreichung und motiviert gleichzeitig durch den Erhalt eines Awards. Zudem hilft uns die Bestätigung durch den Award in der Kommunikation nach aussen und im Wettbewerb mit anderen Gemeinden.

Wer überwacht die Zielerreichung in der Energiepolitik und womit?
Brennenstuhl: Der European Energy Award verpflichtet uns zur Dokumentation unseres Energie-Managements. Mit dem jährlichen Energiebericht stellen wir eine Übersicht zu den verschiedenen realisierten Projekten bereit. Wir listen zudem die grössten Verbraucher auf und zeigen, wo noch Handlungsbedarf besteht.

Wie hat die Gemeinde auf kommunaler Ebene bereits Energie eingespart? Was ist geplant?
Brennenstuhl: Wir haben Photovoltaik-Anlagen auf Gemeindebauten wie dem Parkdeck, dem Rathaus und dem Bauhof installiert. Die Hochrheinschule wurde nach neuen energetischen Standards saniert und die Gemeinde kauft nur zertifizierten Öko-Strom von der EKS AG.

In Planung ist die Umrüstung der Hochrheinschule und -halle auf ein Blockheizkraftwerk. Dieses wird mit Holz oder einer Holz-Gas-Kombination betrieben.

Bei der Strassenbeleuchtung setzen wir auf LED. Mithilfe der EKS AG und des Checkplus haben wir alte Leuchten bisher durch Energiesparlampen ersetzt. Die verbliebenen Quecksilberdampf-Leuchten werden nun durch LED zeitlich gestaffelt bis 2015 ausgetauscht. Dadurch können wir 70 Prozent der Energie einsparen.

Bürgermeister Brennenstuhl mit einer neuen LED-Strassenlampe
Bürgermeister Brennenstuhl mit einer neuen LED-Strassenlampe

Fördert die Gemeinde ihre Einwohner beim Energiesparen? Wenn ja, wie?
Brennenstuhl: In den Baugebieten haben wir einen sogenannten Öko-Bonus eingeführt. Bei Neubauten mit Minergie-Standard gewährt die Gemeinde einen Nachlass bei den Bauplatzkosten. In ausgewiesenen Sanierungsgebieten werden energetische Sanierungen mit kommunalen Geldern unterstützt.

Seit Neuem müssen Interessenten von Bauplätzen an einem Beratungsgespräch der Energie-Agentur teilnehmen. Dort wird man über die Möglichkeiten energetischer Bauweise sowie über staatliche Förderprogramme informiert. Bei der Umsetzung wird nicht mit Zwang ge-arbeitet, man sollte aber wenigstens über die Möglichkeiten informiert sein und sich damit auseinandergesetzt haben.

Können sich die Einwohner von Gailingen bei anderen Energiethemen beraten lassen?
Brennenstuhl: Ja, jeden Donnerstag ist jemand von der Energie-Agentur im Rathaus anwesend. Dort können sich die Einwohner zu staatlichen Förderprogrammen, Subventionierung beim Neubau und Sanierungen sowie weiteren Energiefragen beraten lassen.

Das Rathaus von Gailingen
Das Rathaus von Gailingen

Zum Schluss: Wie halten Sie es privat mit dem Energieverbrauch und der Energieeffizienz?
Brennenstuhl: Vor 22 Jahren habe ich mein Hau bereits beim Bau mit einer Wärmerück-gewinnung ausgestattet. Es hat eine sehr gute Dämmung mit einer mechanischen Belüftung, die mit einer Luft-Wärme-Pumpe kombiniert ist.

Zusätzlich heize ich mit einem Kachelofen. Dieser ist so effizient, dass ich mit vier Ster Holz, die ich während eines Tages aufarbeite, den ganzen Winter über heizen kann.

Im Wohnzimmer habe ich gerade auf LED umgestellt. Die beste Option für energiesparende Beleuchtung.
Philippe Keiser

Heiner Bucheli zeigt Bürgermeister Brennenstuhl seine Biogasanlage
Heiner Bucheli zeigt Bürgermeister Brennenstuhl seine Biogasanlage

Energieprojekt:
Biogasanlage in Gailingen

Ein prestigeträchtiges Energieprojekt in der Gemeinde Gailingen am Hochrhein ist die Biogasanlage von Demeter-Landwirt Heiner Bucheli. Die Anlage steht direkt neben seinem Hof in Obergailingen und versorgt seit drei Jahren die Rehaklinik «Hegau-Jugendwerk» mit Biogas. Über eine 900 Meter lange unterirdische Leitung kann er einen verlustfreien Transport garantieren. Das Blockheizkraftwerk bei der Klinik wandelt das Biogas schliesslich in Strom und Wärme um. Bei einer Leistung von 180 Kilowatt in der Stunde können 25 Prozent des Strombedarfs mit dem Biogas gedeckt werden. Mit der Abwärme beheizt Bucheli neben dem eigenen Hof mit drei Wohnhäusern und Stall auch zwei Nachbarhöfe.

Unkraut zu Gas
Als Biomasse für die Anlage verwendet der Landwirt neben Mais auch verschiedene Wildpflanzen, die er auf mehreren Hektaren anbaut. Dazu zählt die Ackerkratzdistel, ein hartnäckiges Unkraut, das aber durch seinen Ölgehalt viel Gas produziert. Bevor aber aus der Biomasse wertvolles Gas entstehen kann, muss diese durch einen dreistufigen Gärprozess: In einem ersten Schritt wird die Bio-masse in den Fermenter gegeben. Bei einer konstanten Temperatur zwischen 43 und 45 Grad Celsius gärt die Masse. Es entsteht Methangas mit einem Anteil von 40 bis 50 Prozent. Im weiteren Prozess steigt im Nachgarer der Gasanteil auf 65 Prozent und im Endlager schliesslich auf 80 bis 90 Prozent. Erst dann gelangt das Biogas mit der direkten Zuleitung zur Rehaklinik.

Die Gärrückstände aus seiner Biogasanlage verwendet Heiner Bucheli als Dünger. Dieser ist chemisch weit weniger aggressiv gegenüber den Pflanzen als z.B. Rohgülle. Ausserdem haben Biogasgärreste eine höhere Stickstoffverfügbarkeit und riechen weniger intensiv.
Philippe Keiser

Gailingen in Kürze
Gailingen am Hochrhein ist eine Gemeinde im Landkreis Konstanz in Baden-Württemberg und staatlich anerkannter Erholungsort. Die neurologischen Rehabilitationskliniken «Kliniken Schmieder» und «Hegau-Jugendwerk» sind bundesweit bekannt.

Bundesland:

Baden-Württemberg

Landkreis:

Konstanz

Höhe:

469 m

Einwohner:

3124 (Stand 31.12.2011)

Gemeinde-verwaltung:

Hauptstrasse 7, 78262 Gailingen am Hochrhein

Website:

www.in-gailingen.de

Energiefragen:

Maik Lehn, Bürgerservice & Zentrale Dienste

 

Die EKS AG und Gailingen
Gailingen nutzt bereits seit sechs Jahren den Checkplus der EKS AG. Die Strassenbeleuchtung wurde seither stetig durch Energiesparlampen ersetzt. Neu wird dabei auf die LED-Technik gesetzt, die bis zu 70 Prozent an Energie spart.

Die EKS AG betreibt auch das Stromnetz von Gailingen. Und die Gemeinde bezieht bei der EKS AG ausschliesslich zertifizierten Öko-Strom.

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