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In Neuhausen am Rheinfall ist seit März ein selbstfahrender Elektro-Shuttle im Einsatz. Der kleine Bus ist bereits voll in das bestehende Liniennetz des Kantons Schaffhausen integriert und Teil eines zukunftsweisenden Konzepts für umweltschonenden öffentlichen Verkehr.

Elektro-Shuttles, die fast lautlos und abgasfrei durch unsere Städte rollen. Fahrzeuge ohne Lenkrad und Chauffeur, die uns nach Bedarf sicher und entspannt von einem Ort zum anderen bringen. Das klingt nach Zukunft. Aber in Neuhausen am Rheinfall werden solche Szenarien schon erprobt. Seit März bringt ein selbstfahrender Elektro-Bus Fahrgäste vom Zentrum zum Industrieplatz und zurück. Das Pilotprojekt «Linie 12» ist dabei schon voll in den öffentlichen Verkehr (ÖV) des Kantons Schaffhausen eingebunden.

Ohne Chauffeur unterwegs

Mobilitätskonzept mit Modellcharakter

Der kleine E-Bus ist nur einer von vielen Bausteinen für ein Mobilitätskonzept mit Modellcharakter: Die Verkehrsbetriebe Schaffhausen (VBSH) haben sich das Ziel gesteckt, bis 2029 die gesamte ÖV-Flotte auf Elektro-betrieb umzustellen. «Wenn der Strom für die Antriebe aus Wasserkraft vom Rhein kommt, können wir so weitgehend emissionsfrei fahren», sagt VBSH-Geschäftsführer Bruno Schwager. «Ab 2020 werden die ersten Elektro-Busse mit Schnellladesystem (Opportunity Charging Conductive, OCC) durch die Strassen von Schaffhausen rollen.» Sie werden von Ladearmen am Bahnhof in wenigen Minuten mit frischer Energie versorgt und kommen auf der Strecke ohne Oberleitungen aus.

Intelligent vernetzt

Der Kleinbus ohne Chauffeur ist schon heute unterwegs. Scheinbar wie von selbst findet der rundliche Elf-Sitzer seinen Weg, erkennt Hindernisse oder bremst wenn nötig. Möglich wird die sichere und fahrplanmässige Navigation durch intelligent vernetzte, laserbasierte Sensoren (LIDAR-Technik) und ein innovatives Leitsystem. Im derzeitigen Testbetrieb ist noch eine Begleitperson an Bord, die jederzeit die Kontrolle übernehmen kann. Aber in einigen Jahren dürften vergleichbare Fahrzeuge vollkommen autonom fahren.

Zukunftslabor auf traditionsreichem Gelände

Für das zukunftsweisende Projekt arbeiten Unternehmer, Forschung und Politik eng zusammen. Beteiligt sind der Systemlieferant Trapeze mit seinem Spin-off AMoTech, die Verkehrsbetriebe Schaffhausen und
die Regional- und Standortentwicklung des Kantons. Gemeinsam haben sie das Swiss Transit Lab ins Leben gerufen. Auf dem SIG-Areal in Neuhausen bietet sich eine Forschungsumgebung, in der intelligente Mobilitätslösungen unter lebensnahen Bedingungen entwickelt werden können. Wo die Schweizerische Industrie-Gesellschaft (SIG) einst Tausende Bahnwaggons fertigte, hat im Sommer 2017 der für Neuhausen konfigurierte, selbstfahrende Shuttle seine ersten Runden gedreht.

Positive Resonanz

Positive Resonanz

Bis Ende Oktober hatte der Bus bereits über 17 000 Personen befördert. «Viele Neuhauserinnen und Neuhauser sind schon mitgefahren», berichtet Gemeindepräsident Dr. Stephan Rawyler. «Es ist verständlich, dass sich nicht alle dem Bus anvertrauen wollen, ist es doch eine neue Technik. Der weit überwiegende Teil der zu mir gekommenen Reaktionen ist aber klar positiv», so Rawyler. Um Wünsche aus der Bevölkerung aufzugreifen, lädt das Swiss Transit Lab Akteure aus der Region zu Round-Table-Gesprächen ein. Zudem wird das Projekt von einer Studie der ETH Zürich begleitet (www.swisstransitlab.com/de/studie). Die erste Befragungswelle hat gezeigt: Viele Bürger haben zwar noch Bedenken, was einen möglichen Software- oder Datenmissbrauch, die Manipulierbarkeit oder die Interaktion mit schwächeren Verkehrsteilnehmern angeht. Doch Pilotversuche, wie jener in Neuhausen, geniessen eine hohe Akzeptanz.

Ohne Chauffeur unterwehs

Nicht nur zum Rheinfall

In der nächsten Umsetzungs-Phase wird die «Linie 12» bis hinunter zum Schlössli Wörth am Rheinfall verlängert. Dazu arbeiten die Entwickler derzeit an einem Nachfolge-Modell mit doppelter Motorenleistung und Vier- statt Zwei-Rad-Antrieb. Hauptzweck des Pilotprojekts ist es allerdings nicht, den Touristenmagneten Rheinfall anzusteuern. Auch soll der kleine Selbstfahrer die herkömmlichen Busse nicht ersetzen, sondern mit ihnen zusammenspielen. Das mittel- bis langfristige Ziel ist es, ergänzende Angebote für Randlagen oder Zeiten mit schwacher Nutzerfrequenz zu entwickeln, die mit grossen Bussen aus wirtschaftlichen Gründen nicht realisierbar sind. Gemeindepräsident Rawyler sieht darin eine Chance für die Region.

«Im Prinzip sind an allen Endhaltestellen unserer Buslinien Shuttle-Konzepte denkbar», sagt Bruno Schwager. So liessen sich auch autoarm konzipierte Neubaugebiete an das bestehende Netz anbinden. Wenn das keine guten Aussichten für den ÖV und die Stadtentwicklung sind …

Silva Schleider

Der selbstfahrende E-Bus von Neuhausen

Grösse: 4,75 x 2,11 x 2,65 Meter
(Länge x Breite x Höhe)

Kapazität: 11 Personen

Zulässige Höchstgeschwindigkeit: 25 km/h

Motorleistung: 2 x 12 kW

Einsatzgebiet: ÖV Kanton Schaffhausen, Linie 12, Neuhausen am Rheinfall

Systementwickler: AMoTech GmbH, SIG-Areal, Neuhausen am Rheinfall

Fahrzeugbau: Navya, Villeurbanne, Frankreich

Betreiberin: Verkehrsbetriebe Schaffhausen (VBSH)

Weitere Informationen: www.swisstransitlab.com

Fahren Sie mit!

«Linie 12» zwischen Neuhausen Zentrum und Industrieplatz

Hier gehts zum Fahrplan:
www.swisstransitlab.com/de/linie-12

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