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Bald mehr Energie gegen Hitze als fürs Heizen?

Fotos: us

2. August 2018 -  Braucht es künftig im Sommer mehr Energie für die Hitzedämmung als im Winter fürs Heizen? Darauf deuten nicht erst seit heute Studien hin. Gerade auch im Zusammenhang mit der wachsenden Urbanisierung.

Vor rund zehn Jahren lebten erstmals in der Geschichte mehr Menschen in Städten als auf dem Land. Der Anteil der Stadtbevölkerung wird bis zum Jahr 2030 voraussichtlich auf über 60 Prozent steigen und im Jahr 2050 rund 70 Prozent erreichen.

Mit dem Stadtleben kommen auch Stadtprobleme. Eines davon ist bereits jetzt der starke Energieverbrauch in Städten und ein damit verbundener Paradigmenwechsel: Der energetische Knackpunkt für behagliches Wohnen wird künftig nicht das Heizen im Winter, sondern die Kühlung im Sommer sein. Eine Studie ist dem Thema in den USA nachgegangen und stellt anhand des Energiefressers «Klimaanlage» die These auf, dass mehr Stadtbewohner nicht nur mehr Klimaanlagen (und mehr Energie) brauchen – 87 Prozent aller amerikanischen Haushalte verfügen über Air Condition – sondern auch mehr Klimaanlagen (und mehr Energie) mehr Stadtbewohner bringen. Anders gesagt: Ohne Klimaanlagen gäbe es viele grosse Städte in den USA gar nicht. Dabei waren ursprünglich die Klimaanlagen gar nicht dazu gedacht, Wohnräume und Autos zu kühlen. Sie sollten Fabrikshallen und Maschinenräume auf Betriebstemperatur halten. Das hinderte sie freilich nicht, einen Siegeszug durch die amerikanischen Wohnungen anzutreten – parallel zum Bevölkerungswachstum in heissen Ballungszentren.

Die Studie nennt sechs grosse US-Städte, in denen die Jahresdurchschnittstemperatur bis auf eine Ausnahme bei mehr als 20 ºC liegt. Das Extrembeispiel Las Vegas hat zwar nur einen Jahrestemperaturdurchschnitt von 19,5 ºC, steht jedoch an einer Stelle, die ohne enormen technischen Aufwand nicht mehr als ein Dorf versorgen könnte.

Allerdings sind Klimaanlagen nicht auf die USA beschränkt. Sie erfreuen sich auch in Indien und Zentralasien wachsender Beliebtheit. Sechs der weltgrössten Metropolen haben im Jahresmittel eine Aussentemperatur über 32 ºC, die gekühlt werden wollen.

In Indien und China wächst der Absatz von Klimaanlagen jährlich um 20 Prozent. Mit 55 Prozent werden schon jetzt mehr als die Hälfte aller neu produzierten Klimaanlagen in der Asien/Pazifik-Region verkauft. Wir können uns also darauf einstellen: Mehr Klimaanlagen in Asien werden grössere Städte in Asien möglich machen, und grössere Städte in Asien werden mehr Klimaanlagen nutzen. Die Auswirkungen auf das Weltklima können wir uns vorstellen. Hoffnung gibt nur die Ausbauoffensive für erneuerbare Energie. Unter anderem für den nachhaltigen Betrieb von Klimaanlagen.

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