EKS ON!
(Kommentare: 0)

Steht ein Kran im Walde, ganz still und lang

Wälder gehören neben den Ozeanen zu den produktivsten Ökosystemen. Wie lange noch angesichts der globalen Klimaerwärmung? Genau das soll experimentell herausgefunden werden – durch die Installation eines Krans im Jurawald.

Holzenergie gehört zweifellos zu den effizientesten Bioenergiequellen, die es zu schützen gilt. Zwar können sich Wälder dem Klimawandel in begrenztem Mass anpassen, dürften jedoch ihre Leistungen – etwa die Schutzwirkung gegenüber Naturgefahren, die Produktion von Holz als Rohstoff und Energieträger oder auch als Erholungsraum – nicht mehr überall im gewohnten Ausmass erbringen. In einem europaweit einmaligen Langzeitexperiment zu den Folgen des Klimawandels will die Uni Basel in Zusammenarbeit mit den Unis Bern und Zürich sowie der Bundes-Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) in einem 1,5 Hektaren grossen Waldstück im Jura mittels Regendach eine Dürre simulieren. So sollen für 20 Jahre die Folgen des Klimawandels erforscht werden. Denn neue Klimaprognosen gehen davon aus, dass bis im Jahr 2085 die Niederschläge in der westlichen Schweiz bis zu einen Fünftel kleiner ausfallen als heute.

Konkret soll im Baselbieter Jura auf einer Karst-Hügelkuppe bei Hölstein, wo kein Wasser unterirdisch von aussen einsickert und Grundwasser fern ist, erforscht werden, wie hiesige Baumarten auf Trockenheit reagieren. Und ob ausgewachsene Bäume ihren Stoffwechsel anpassen können. Besonders relevant dabei ist, ob der Wald bei höheren Temperaturen und weniger Niederschlägen in der Lage ist, wie bisher grosse Mengen Kohlenstoff in Holz und Boden zu speichern. Dazu werden die einzelnen Bäume auf der Versuchsfläche nummeriert und mit einem Dendrometerband versehen (Abbildung oben).

Umfassende Schutzmassnahmen

Mitte März 2018 wurde auf dem Hölsteiner «Schoren»-Hügel, der den Schweizer Mischwald mit seinen 80 bis 150 Jahre alten Baumarten gut repräsentiert, das weit herum sichtbare Element des Experiments installiert: ein 50 Meter hoher Baukran. Der soll Forschende per Gondel in die Baumkronen hieven, wo sie Veränderungen etwa am Laub beobachten und Experimente durchführen werden. Ende 2019 wird das Regendach installiert, dann beginnt der eigentliche Langzeitversuch. Zum dauerhaften Schutz der diversen Installationen vor Vandalismus und insbesondere vor Wildschweinen wird das Versuchsareal eingezäunt. Schützen muss man übrigens auch die Kabel der teuren Elektronik – vor Mäusezähnen. Der Zaun hält des weiteren Füchse fern, die sonst die Mäuse dezimieren. Keinen Schutz gab es derweil vor Sturm Burglind, der zum Jahresbeginn 2018 einige Bäume im Areal flach legte…

5/5 Sterne (2 Stimmen)

Zurück

Einen Kommentar schreiben