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Rund 3 000 Gewitter gleichzeitig rund um die Erde und jede Sekunde mehr als 100 Blitze – Tendenz steigend. Wieso eigentlich wird diese permanente Energiequelle rund um den Globus nicht genutzt?

Es war ein gefährliches Experiment, als Benjamin Franklin am 15. Juni 1752 einen Drachen in eine Gewitterwolke aufsteigen liess. Dabei wollte er doch nur die Hypothese prüfen, ob hohe elektrische Spannungen die Ursache für Blitze sind. Die mit dem Drachen provozierte Funkenentladung gilt als Beginn der modernen Blitzforschung. Wenngleich heute niemand mehr bezweifelt, dass Blitze die Folge hoher elektrischer Spannungen zwischen dem Erdboden und Gewitterwolken sind, so sind doch noch immer nicht alle Aspekte des Naturphänomens Blitz erforscht und verstanden: Stichwort Kugelblitz.

In den vergangenen Jahren hat es viele neue Erkenntnisse gegeben. So lässt sich über das Blitzgeschehen trefflich Buch führen. 204 636 Blitze gab es zum Beispiel im Jahr 2010 in der Schweiz. Am 10. Juli 2010 gingen 16 661 Blitze nieder. Die meisten Gewitter finden von Mai bis September statt, weil dann Luftmassen mit sehr unterschiedlichen Temperaturen aufeinandertreffen können. Um die 150 000 Blitze schlagen jährlich in der Schweiz ein, acht treffen im Durchschnitt Menschen. Das Risiko, daran zu sterben, ist übrigens sehr gering: 95 Prozent der Getroffenen überleben. In den letzten rund zehn Jahren starben drei Menschen in der Schweiz.

Blitze werden elektronisch erfasst – von einem kommerziellen System namens «BLIDS», das von Siemens betrieben wird. BLIDS verfügt über fast 160 Antennen, die europaweit installiert sind, und betreut das Messnetz in der Schweiz, in Deutschland, Grossbritannien, Polen, Benelux, Tschechien, der Slowakei und Ungarn. Sie messen das elektromagnetische Feld, das jeder Blitzschlag erzeugt. Blitze werden auf 200 Meter genau geortet.

Bei Gewittern werden zweifellos gewaltige Energiemengen umgesetzt. Kann man aus Blitzen eigentlich keine Energien anzapfen und nutzbar machen? Tatsächlich gibt es dazu einige Forschungsprojekte, die aber sind eher theoretischer Natur, weil kaum von praktischem Nutzen. Denn selbst wenn es technisch möglich wäre, die elektrische Energie aus einem Blitz abzufangen und beispielsweise in einer Batterie zu speichern, so wäre die Energieausbeute – aufs Jahr gesehen – ausserordentlich bescheiden. Auf der gesamten Erde zucken zwar in jeder Sekunde rund 100 Blitze, doch an einem einzelnen Ort ist die Zahl der Blitze dennoch sehr limitiert, wie das Netzwerk für Blitze und Gewitter in Echtzeit unten zeigt. Auch aus diesem Grund bleibt Energiegewinnung aus Blitzen (vorerst) Utopie. Abgesehen davon ist bei einem Einschlag die Energie in weniger als einer Tausendstelsekunde wirksam.

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