Die Ausgeglichene

Bildcredits: zVg Vera Schraner
Bildcredits: zVg Vera Schraner

Energie ist für Vera Schraner zentral im Leben – im praktischen wie im übertragenen Sinn. Daher findet es die Bürgermeisterin von Büsingen wichtig, Energie als kostbares Gut zu behandeln. Sei es, indem sie an kalten Tagen einen Pullover überzieht, anstatt die Heizung aufzudrehen, oder Menschen mit einem Lächeln positive Energie schenkt.

«Energie heisst für mich» – was antworten Sie spontan auf diese Frage?
Energie ist für mich Leben. In allem steckt Energie: in der Natur, in den Elementen, in uns Menschen und in Beziehungen. Energie steckt in Entscheidungen und deren Auswirkungen. Für mich ist Energie etwas Fliessendes, so wie der Rhein. Dieser Fluss ist für mich der Inbegriff von Energie. Er gibt mir Entspannung, Ausgleich, ich kann ihm meine Sorgen mitgeben und er gibt mir die nötige Energie. Nicht nur für mich persönlich als Mensch, sondern auch für die Steckdose.

Warum diese Antwort?

Energie hat für mich etwas Körperliches, aber auch nicht Fassbares. Ich glaube schon immer an das Prinzip der Resonanz bei allem, was ich tue. Die Schwingungen oder auch die Energie überträgt sich auf meine Mitmenschen, meinen Mann und unsere Söhne, meine Mitarbeitenden. Wenn ich ein Lächeln aussende, kommt es wieder zurück. Das ist auch Energie!

Hat das Thema Energie in den vergangenen Monaten an Bedeutung für Sie gewonnen?
Ja, natürlich, insbesondere durch die Energiekrise und eine mögliche Energiemangellage mache auch ich mir persönlich Gedanken. Zum Beispiel, wo können wir einsparen, sind unsere Geräte effizient genug, muss der PC auf Standby bleiben. Zusammen mit dem Gemeinderat haben wir definiert, auf welche gemeindeeigenen Gebäude PV-Anlagen montiert werden und wo Einsparungen sinnvoll und möglich sind. Die Bedeutung meiner persönlichen Energie oder die der Energie der Dinge haben sich dadurch jedoch für mich nicht verändert.

Sie leben und arbeiten auf der Grenze zwischen zwei Ländern. Gibt es Unterschiede im Umgang mit Energie?
Die Schweiz und Deutschland haben dieselben Ziele, verfolgen jedoch unterschiedliche Wege. Das habe ich auch bei der Bewältigung der Corona-Pandemie feststellen können. Nach meinem Empfinden hat das zum einen mit der Bürokratie in Deutschland zu tun, im Gegensatz zur eher pragmatischen Herangehensweise der Schweiz. Und auch mit dem Unterschied, dass die Wege in der Schweiz kürzer, die Hierarchien flacher sind. Das macht vieles einfacher.

Dennoch dauern in beiden Ländern zum Beispiel die Genehmigungsverfahren für Windkraftanlagen oder Freiflächen-PV meiner Meinung nach immer noch viel zu lang.

Im Umgang mit der Energie spüre ich keine grossen Unterschiede. Was ich feststelle, ist, dass die Schweiz ihren Bürgerinnen und Bürgern mehr Verantwortung und eigenständiges Handeln zutraut. Deutschland hat sofort Rettungsschirme und Entlastungspakete geschnürt, was die Bevölkerung entlasten sollte. Dies hat jedoch nicht geholfen, die gesetzten Sparziele zu erreichen.

Was könnten beide Länder jeweils voneinander lernen?
Wir können von der höheren Eigenverantwortung der Schweizer Bevölkerung lernen. Der Staat sollte meiner Meinung nach nicht zu viel regulieren. Wenn die Kosten für Strom, Gas und Öl steigen, muss ich an anderer Stelle sparen, zum Beispiel am Konsum. Wir sollten alle wieder mehr den Wert der Dinge erkennen, achten und schätzen. Wenn ich sehe, was die Menschen alles wegwerfen und einfach wieder neu kaufen, bloss weil etwas nicht mehr gefällt, kann ich das nicht verstehen.

Wie gehen Sie privat mit Energie um?
Mein Mann und ich sind so aufgewachsen, dass Energie kostbar ist. Deshalb leben wir das auch unseren Söhnen vor. Elektronische Geräte sind in unserer Zeit nicht mehr wegzudenken, deshalb ist es da schwieriger, zu sparen. Wo wir jedoch bewusst sparen, ist bei den Heizkosten. Wir haben diesen Winter die Raumtemperatur um wenige Grad reduziert und da wir mit einer Wärmepumpe heizen, konnten wir so unseren Stromverbrauch senken. Dies werden wir so beibehalten, denn einen Pullover anzuziehen, ist die einfachste Möglichkeit zu sparen.

Wie laden Sie Ihre persönlichen Batterien wieder auf?
Wie anfangs bemerkt, gibt mir der Rhein viel Energie. Ich gehe, wenn möglich, jeden Morgen kurz schwimmen, so starte ich frisch und fit in den Tag. Auch auf Wanderungen in den Bergen und in der Natur kann ich meine Batterien gut wieder aufladen. Und für mich die wichtigste Ladestation: meine Familie und gute Beziehungen!

Zur Person

Name: Vera Schraner
Funktion: Bürgermeisterin Büsingen am Hochrhein
Partei: parteilos
Wohnort: Büsingen
Alter: 49 Jahre
Website

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