Mitten in der Energiewende

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Die Energieversorgung der Schweiz soll bis 2050 zu 100 Prozent erneuerbar sein. Doch der Ausbau erneuerbarer Energien hinkt hinter den Zielen her. Wo stehen wir, was sind die Hürden und was ist zu tun?

Die Schweiz braucht in Zukunft mehr Strom: Der Ersatz fossiler Energieträger lässt den Elektrizitätsbedarf von heute 62 Terawattstunden (TWh) auf 80 bis 90 TWh im Jahr 2050 steigen. Das bisherige Ausbautempo reicht nicht, um dieses Ziel zu erreichen. Immerhin beschleunigt sich der Ausbau der erneuerbaren Energie derzeit stark. Hemmschuhe sind lange politische Prozesse und Genehmigungsverfahren.

Wasserkraft hat klar den grössten Anteil an der Schweizer Stromerzeugung. Doch ihr Ausbau stösst an Grenzen, zusätzliche Kapazitäten sind begrenzt. Die Solarenergie hat viel Potenzial, doch ihre Integration verläuft zu langsam. Windenergie wird bei uns noch wenig genutzt, ist aber ausbaufähig. Vor allem im Winter könnte sie helfen, die Stromlücke zu schliessen.

Wie weiter?

Um die Klimaziele zu erreichen, muss die Schweiz schnell mehr erneuerbare Energien nutzen und effizienter werden. Bei Solar- und Windenergie gehören wir in Europa aber zu den Schlusslichtern. Die ­Politik überarbeitet derzeit die Rahmenbedingungen für den Ausbau. So könnten künftig alpine Solaranlagen und Windprojekte schneller geplant und bewilligt werden. Der Umbau des Energiesystems würde Kosten sparen und die Abhängigkeit von Energieimporten reduzieren.

45 TWh

bis 2050

Künftiger Anteil der erneuerbaren Energien (ohne Wasserkraft) an der Schweizer Stromproduktion gemäss Mantelerlass

0,3 %

Windkraft

Anteil an der Schweizer Stromproduktion 2022 (0,15 TWh). Damit sind wir Schlusslicht in Europa. Deutschland produzierte 2022 pro Kopf fast hundert Mal mehr Windstrom.

Ziel bis 2050

7 % des Strombedarfs will die Schweiz künftig mit Windkraft decken. Um das Ziel zu erreichen, benötigen wir 760 neue Windturbinen – zwanzigmal mehr als heute.

10 - 20

Rappen

kostet die Produktion ­einer Kilowattstunde Windenergie. Wind gehört zu den kosten­güns­tigsten Energieformen.

129

Ausbauprojekte

mit einer Jahres­pro­duk­tion von 4,7 TWh sind in der Schweiz ge­plant (VSE, 9.1.2024).

0 %

Geothermie

Die Schweiz produziert noch keine Elektrizität aus geothermischen Quellen. Der Anteil der direkten Nutzung (ohne Wärmepumpen) an der produzierten Heizenergie beträgt 3,6 % (2021).

Ziel bis 2050

In Zukunft soll die Geothermie auch Strom liefern – je nach Szenario mehr als 4 TWh pro Jahr. Dazu braucht es jedoch weitere Forschung.

1,45 %

Biomasse

Anteil an der Schweizer Strom­produktion. 2022 ­entsprach das rund 705 GWh Strom.

Ziel bis 2050

Die Energiestrategie 2050 enthält keine Ziele für Biomasse. Bei der Stromproduktion ist jedoch eine Verdreifachung, bei den Biotreibstoffen eine Verdoppelung möglich.

60 %

Wasserkraft

Durchschnittlicher Anteil an der Schweizer Stromproduktion. Etwa 1 300 Wasserkraftwerke liefern rund 37 TWh Strom pro Jahr.

Ziel bis 2050

Wasserkraft bleibt unsere wichtigste Energiequelle.
Ein grosser Ausbau ist jedoch unrealistisch. Im Fokus stehen die Optimierung und Erweiterung bestehender Anlagen.

200 x

höher

als unser Energiebedarf ist die jährliche ­Sonneneinstrahlung auf die Schweiz.

6,3 %

Solarenergie

Anteil an der Schweizer Energieproduktion 2022. Damit liegen wir in Europa im Mittelfeld. Die Niederlande
produzieren etwa doppelt so viel Solarstrom pro Kopf.

Ziel bis 2050

Das Potenzial von Solarstrom ist beträchtlich: Bis 2050 sollen über 40 % des Schweizer Strombedarfs durch Photovoltaik gedeckt werden.

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