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Das wars dann wohl: Seit dem 2. August 2017 leben wir auf Pump für den Rest des Jahres. Bei Mutter Erde kann man sich offensichtlich eben so wenig ungestraft bedienen wie im Online-Shop. So jedenfalls rechnet es uns der Welterschöpfungstag vor.

Zunächst aber: deutsche Sprache, schwere Sprache – Welterschöpfungstag. Wer erschöpft hier wen? Gott die Welt? Oder die Welt sich gleich selber? Gott sei Dank gibt es alternative Übersetzungen auf deutsch dafür, was 1975 als «Earth Overshoot Day» das Licht der Welt erblickte: der Erdüberlastungstag. Oder noch griffiger: der Ökoschuldentag. Ganz aktuell bedeutet das: Die Menschheit hat alle Ressourcen für 2017, welche die Erde regenerativ zu erstellen sich in der Lage sieht, bereits einen Tag nach dem Nationalfeiertag aufgebraucht. Mag auch in der Schweiz der 1. August nicht täglich lautstark gefeiert werden (der durchschnittliche Feuerwerksverbrauch liegt bei über 2000 Tonnen pro Jahr), so steigt doch jeweils am Nationalfeiertag der Gehalt von lungengängigem Feinstaub (PM10) beachtlich über den in der Luftreinhalteverordnung festgelegten Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Die Quittung für den Raubbau bekommt man längst das ganze Jahr über zu spüren: Die Wetterextreme nehmen zu, es gibt Hitzerekorde in Serie, dann wieder Starkregen und Überschwemmungen. Vier von neun ökologischen Belastungsgrenzen, welche die Stabilität der planetaren Lebensräume definieren, sind bereits überschritten: beim Klimawandel, dem Verlust der Biodiversität, der Landnutzung sowie den biogeochemischen Kreisläufen von Stickstoff und Phosphor.

Würde die ganze Welt wie die Schweizer Bevölkerung leben, bräuchte es mehr als drei Planeten, um den Bedarf der Weltbevölkerung zu befriedigen – im Vergleich zu durchschnittlich 1,7 Planeten für alle Länder zusammen. Ein Lebensstil, wie ihn die Amerikaner oder die Australier pflegen, wäre für die Umwelt noch schädlicher: Dann wären sogar fünf Planeten zur Deckung des Bedarfs an natürlichen Ressourcen nötig. Der Welterschöpfungstag – pardon: Ökoschuldentag – rückt im Kalender zwar immer weiter nach vorne, jedoch nicht mehr im selben Tempo wie in den vergangenen Jahrzehnten. Die Problematik ist erkannt und Lösungen bekannt, allerdings verläuft deren Umsetzung immer noch viel zu langsam. Auch in der Schweiz müssen wir die Energiewende als Antwort auf die ökologischen Herausforderungen beschleunigen und unseren Lebensstil anpassen.

Machen Sie den ersten Schritt und berechnen Sie Ihren Fussabdruck (10 Minuten) oder den Teilbereich Ernährung (3 Minuten). Hier erfahren Sie, wann Ihr persönlicher Overshoot Day stattfinden würde.

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