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Erstmals wird in der Schweiz der so genannte Food Waste systematisch ermittelt. Dabei werden alle Nahrungsmittel-verluste von der Produktion bis hin zur Entsorgung geprüft – einschliesslich Verluste in der Lebensmittel-industrie. In diesem Bereich könnten über 300 000 Tonnen Abfälle verhindert werden.

Energie ist ein diffuser Allerweltsbegriff. Und gleichzeitig eine präzis definierte fundamentale Grösse für alle Lebenlagen, um die weder die Physik, die Technik, die Chemie, die Biologie, die Wirtschaft noch jedes einzelne Individuum herumkommen. Was die Menschheit tagtäglich an körpereigenem Energiebedarf umsetzt, lässt sich plus/minus über den Daumen gepeilt errechnen: 7,4 Milliarden mal 2000 kcal pro Tag ergibt eine ganz stattliche Zahl mit dem Makel, dass sie die Realität nicht eins zu eins widerspiegelt. Denn allein was in Europa an Energieträgern – sprich Nahrung – in den «Güsel» gekippt wird, würde reichen, um alle Hungernden auf der Welt zu ernähren – gleich zweimal.

Das Problem der mangelhaften Verteilung ist erkannt und bekannt. Die Statistiken weisen zwar auf eine positive Entwicklung hin, die Bemühungen scheinen zu wirken, die Zahl der Hungernden in der Welt sinkt: Waren es 1990 noch mehr als eine Milliarde, sind es nun ungefähr 800 Millionen. Doch erstens nützt Statistik den Betroffenen nichts, zweitens ist die Zahl noch immer horrend hoch, und drittens gibt es Länder, in denen nichts vorangeht. So haben denn die Vereinten Nationen und die Hilfsorganisationen anfangs März 2017 für Teile Afrikas Alarm geschlagen. Das Leben von 20 Millionen Menschen sei in den kommenden Monaten bedroht, sagte UN-Generalsekretär António Guterres, und zwar allein in Somalia, Südsudan, Nigeria und Jemen.

Food Waste in der Schweiz

Die schweizerische Lebensmittelindustrie produziert pro Jahr 2,3 Millionen Tonnen Lebensmittel und Halbfabrikate. Das hat das BAFU in seiner neusten Studie «Organische Verluste aus der Lebensmittelindustrie in der Schweiz» ermittelt. Erstmals sind in der Schweiz die Lebensmittelabfälle, der so genannte Food Waste, Gegenstand von systematischen Ermittlungen. Dabei werden alle Nahrungsmittelverluste von der Produktion über die Verarbeitung bis hin zur Entsorgung geprüft. Dabei fällt über alle acht Hauptbranchen betrachtet (z.B. Getreideverarbeitung, Kakao und Kaffee oder Milchprodukte) ein Verlust von rund 500 000 Tonnen an. Nach Studien über Food Waste in der Gastronomie und bei den Grossverteilern beleuchtet die neueste Untersuchung des BAFU nun die Verluste in der Lebensmittelindustrie. In diesem Bereich könnten über 300 000 Tonnen Food Waste verhindert werden.

Es gibt inzwischen auch eine App, die den Food Waste eindämmen will. In der Schweiz wurde sie rund 100 000 Mal heruntergeladen – über 200 Betriebe machen mit.

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