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Mitreissender Rhein

MS Schaffhausen

«MS Schaffhausen»

Länge 50 m, Breite 9,3 m, Tiefgang leer 125 cm, Max. Tragkraft 600 Personen, Verdrängung leer 190 t, Max. Geschwindigkeit 27 km/h, Leistung 2 x 388 kW,
Baujahr 1970
Besonderheiten: Audio-Anlage, Behinderten-WC, Treppenlift, Steckdosen 6

Der Rhein und Schaffhausen sind untrennbar miteinander verbunden. Diente er einst dem Handel, ist er heute ein beliebtes Ausflugsziel. 380 000 Passagiere gehen jährlich mit der Schweizerischen Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein auf Entdeckungsfahrt.

Um ein Schiff den Rhein hinauf und hinunter zu steuern, braucht es viel Erfahrung. Sechs Jahre dauert die Ausbildung zum Schiffsführer. Kapitän darf sich erst nennen, wer jahrelang sicher den Rhein befahren hat. «Der Rhein hat sehr ausgeprägte Wasserrinnen, und unsere Schiffsführer können sich vielerorts nur an natürlichen Gegebenheiten wie Bäumen am Uferrand orientieren, die sich je nach Wasserstand verändern», beschreibt Remo Rey die Besonderheiten der Schifffahrt auf dem Untersee und Rhein. Seit vier Jahren leitet er als Geschäftsführer die Geschicke der Schweizerischen Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein AG (URh). Sie ist die älteste heute noch bestehende und nicht durch Fusionen entstandene Schifffahrtsgesellschaft der Schweiz.

Der Tourismusexperte hat den Rhein zwischen Schaffhausen und Kreuzlingen ins Herz geschlossen. Besonders liebt Remo Rey die Strecke zwischen Konstanz, Gottlieben und der Insel Reichenau. Dort befindet sich das Wollmatinger Ried, ein Naturschutzgebiet, durch das die Schiffe nur mit gedrosselter Geschwindigkeit fahren dürfen. «Es ist wunderschön, frühmorgens übers Wasser zu gleiten und überall im Schilf die Vögel zu beobachten.» Die URh bietet in Zusammenarbeit mit Naturschutzexperten extra Vogelschau-Fahrten auf dem sogenannten «Seerhein» an.

Martin Singer
Martin Singer, Maschinist und Schiffsführer in Ausbildung, prüft jeden Morgen vor der Abfahrt den Ölstand der «MS Schaffhausen».

Reizvolle Uferlandschaft

Eben diese reizvolle Uferlandschaft und die hübschen Städte entlang des Rheins waren es wohl auch, die den Grundstein für die touristische Schifffahrt legten. «Die Mutter von Napoleon III., Hortense de Beauharnais, lebte seit 1817 im Exil auf Schloss Arenenberg und wollte gerne Gesellschaftsfahrten auf dem Rhein unternehmen», berichtet Rey. Aus den Ausflügen des Adels entwickelte sich nach und nach ein geregelter Schiffsverkehr, wobei die Dampfschiffe damals neben Ausflüglern auch Güter und Vieh transportierten. 1850 wurde in Schaffhausen die erste Schifffahrtsgesellschaft gegründet, die jedoch 1863 ihren Dienst einstellte. Kaum ein Jahr später entstand in Diessenhofen die heutige URh. Die Dampfboot-Gesellschaft von damals hat seitdem längst auf Motorschiffe umgestellt. Der hohe Kohlepreis zwischen den Weltkriegen zwang die URh 1925 ein erstes Motorschiff zu mieten. 1936 kaufte sie schliesslich zwei. Gebaut wurden sie von der Schweizer Werft Escher-Wyss. Die Städte Zürich und Winterthur unterstützten damals den Bau finanziell und halten bis heute Aktienanteile an der Schaffhauser Schifffahrtsgesellschaft.

Kapitän Daniel Martini im Steuerhaus
Kapitän Daniel Martini im Steuerhaus

Starke Strömung

Betrieben werden die Motorschiffe mit Diesel. Die Motoren sind zwar immer effizienter geworden und fahren zum Teil mit Ökodiesel, doch alternative Antriebe sind in der Rheinschifffahrt bisher nicht erprobt. «Die Strömung ist sehr stark, sodass wir ein redundantes System mit zwei Motoren benötigen, damit das Schiff immer manövrierfähig bleibt.» Eine Tagesfahrt verbraucht etwa 350 Liter Diesel. Mit dem Treibstoff wird via Generator zudem der Strom für Beleuchtung, Audio-Anlage, Treppenlifte und den Geschirrspüler der Bordküche erzeugt. Das Brauchwasser wird in einem Tank aufgefangen und am Fahrtende abgepumpt.

Am beliebtesten ist die wilde Rheinstrecke zwischen Schaffhausen und Stein am Rhein. Zwei Stunden dauert die Tour rheinaufwärts von Schaffhausen aus. Zwischen Ostern und Mitte Oktober bietet die URh neben der Route Schaffhausen-Kreuzlingen eine Vielzahl von Rund- und Themenfahrten an; darunter auch erstmals im Oktober Herbstrundfahrten ab Schaffhausen. Über den Winter bleiben die Schiffe abgesehen von kulinarischen Sonderfahrten in der eigenen Werft – bis zum nächsten Frühjahr.          

Inken De Wit

Mitreissender Rhein Zeitleiste

1850
Gründung der ersten schweizerischen Schifffahrtsgesellschaft für den Bodensee und Rhein in Schaffhausen

1851
Dampfschiff «Stadt Schaffhausen» nimmt den Betrieb auf

1863
Der Verkehr auf Untersee und Rhein wird eingestellt

1864
Gründung einer neuen Dampfboot-Gesellschaft (heute: URh) in Diessenhofen

1913
Das letzte Dampfschiff wird in Betrieb genommen

1925
Die URh mietet von den Stadtwerken Konstanz das erste Motorschiff

1940 – 45
Die Schiffe fahren nur noch ohne Zwischenhalt bis Kreuzlingen

1951
Die URh-Schiffe dürfen wieder deutsche Städte anlaufen

1965
Das erste Grossmotorschiff «MS Thurgau» wird in Betrieb genommen

2012/13
Erstmals wird ein URh-Schiff («MS Schaffhausen») in der eigenen Werft überholt

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