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1898 war's, als Rheinfelden mit der Inbetriebnahme des inzwischen zum Abbruch verurteilten alten Kraftwerks europäische Energiegeschichte schrieb. 112 Jahre später macht Rheinfelden mit dem schweizweit einmaligen Pilotprojekt VEiN (Verteilte Einspeisung in Niederspannungsnetze) erneut auf sich aufmerksam.

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Die EKS AG ist zusammen mit anderen schweizerischen Energieversorgern und dem Bundesamt für Energie ganz massgebend am Forschungsprojekt VEiN beteiligt. Für das auf drei Jahre angelegte Pilotprojekt wurde ein in sich abgeschlossener Teil des Niederspannungsnetzes in der aargauischen Gemeinde Rheinfelden ausgewählt. In diesem Testnetz, das von der Transformatorenstation Kreuzmatt gespeist wird, werden ab diesem Sommer die Auswirkungen untersucht, die viele kleine Stromerzeugungsanlagen auf ein Niederspannungsnetz haben können.

Kleine Ursache – grosse Wirkung
Der Staat fördert die Gewinnung von Strom aus erneuerbaren Energien mit der kostendeckenden Einspeisevergütung. Es ist abzusehen, dass in Zukunft immer mehr kleine, dezentrale Anlagen wie zum Beispiel Kleinwasserkraftwerke, Solarstromanlagen und Windturbinen zum Einsatz kommen werden. Diese Anlagen bringen in den allermeisten Fällen kleine und auch unregelmässig anfallende Strommengen in das jeweilige Niederspannungsnetz (230/400 Volt) ein. Diese Einspeisungen jedoch haben Auswirkungen auf das gesamte Netz.

In Rheinfelden wird untersucht wie sich viele dezentrale Erzeugungsanlagen auf das Stromnetz auswirken.
In Rheinfelden wird untersucht wie sich viele dezentrale Erzeugungsanlagen auf das Stromnetz auswirken.

Im Labor und mittels modernster Computertechnologie lässt sich vieles simulieren. Die bisherigen theoretischen Untersuchungen haben jedoch nicht genügend aussagekräftige Resultate gebracht, wie sich ein Niederspannungsnetz verhält, wenn es nicht mehr nur von einer einzigen und zentralen Transformatorenstation versorgt wird, sondern zusätzlich von einer Vielzahl kleiner dezentralen Stromerzeugungsanlagen. Der praktische Versuch, der so genannte Feldversuch vor Ort, ist für eine – vor allem auch für die Zukunft – sichere Stromversorgung unabdingbar.

Mehrere Energieerzeuger, unter anderen auch Mini-Blockheizkraftwerke (sie erzeugen Strom und Wärme) werden das Netz auf Herz und Nieren prüfen. Untersucht wird vor allem, wie das Netz auf eine mögliche Richtungsänderung des Stromflusses reagiert. Denn der Strom wird stellenweise und zeitlich unregelmässig nicht mehr nur vom Netz zum Verbraucher, sondern rückwärts vom Verbraucher ins Netz fliessen.

Der Trend zu vielen, kleinen Stromerzeugern geht ungebremst weiter. VEiN wird wichtige Erkenntnisse liefern, wie die künftige Stromversorgung aussehen wird. Ist der Versuch abgeschlossen, dürfte klar sein, welche technischen Voraussetzungen Kleinkraftwerke zu erfüllen haben und wie sich eventuelle negative Auswirkungen auf das Netz beherrschen lassen.

Pilotprojekt VEiN

Photovoltaikanlagen:

  • Alters- und Pflegeheim Lindenstrasse
    elektrische Maximalleistung: 31 kWp
    Inbetriebnahme: Ende April 2010
  • Parkhaus Kurzentrum Rheinfelden
    elektrische Maximalleistung: 60 kWp
    Inbetriebnahme: Ende April 2010
  • Wohnbaugenossenschaft Zähringer
    in Prüfung, elektrische Maximalleistung: ca. 30 kWp

Blockheizkraftwerke:

  • Alters- und Pflegeheim Lindenstrasse
    elektrische Leistung: 47 kW
    Inbetriebnahme: Juni 2010
  • Schulhaus Robersten
    elektrische Leistung: 90 kW
    Inbetriebnahme: Juni 2010
  • Kleinere Blockheizkraftwerke in Einfamilienhäuser
    noch in Abklärung, elektrische Leistung: ca. 5 kW

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