Susanne Meier (70)
Susanne Meier (70)

Ein Blick zurück …

Morgens Kohlen schaufeln

«Gemütlich» hat Susanne Meier die Winter ihrer Kindheit in Erinnerung. Denn im Nachkriegshaus, in dem die 70-Jährige aufgewachsen ist, gab es neben dem Kachelofen schon eine Zentralheizung. Allerdings mit Kohle.

Frau Meier, wie wurde Ihr Elternhaus geheizt?
Susanne Meier: Mit Holz und Kohle. Unser Familienhaus in Steckborn am See war damals ganz neu, es wurde 1946 gebaut. Wir hatten Heizkörper in allen Zimmern.

Eine richtige Zentralheizung also?
Ja, ein offenes Zentralheizungssystem mit blubberndem Expansionsgefäss im kleinen Schlafzimmer. Die Heizung musste allerdings mit Kohle befeuert werden. Frühmorgens haben wir Kinder immer unseren Vater gehört, wie er im Keller Kohlen geschaufelt hat. Das war für uns der Weckruf – das Zeichen, dass es Zeit zum Aufstehen ist. Irgendwann in den 60er - Jahren kam das Öl, da war mein Vater froh.

Frieren mussten Sie im Winter also nicht?
Nein, das war schon recht gemütlich, vor allem unter der Decke (lacht). Ich konnte dann auf den Untersee schauen, der mehrmals zugefroren war. Unten hatten wir zudem einen Kachelofen. Den haben wir schon in der Übergangszeit mit etlichen Bürdeli Holz angefeuert. Er hat das Wohnzimmer sicher auf 25 oder mehr Grad aufgeheizt, viel wärmer, als man es heute hat. Ich erinnere mich an meine Mutter, die uns stets ermahnte, alle Türen geschlossen zu halten. Denn im Korridor war es richtig kalt, das Haus war ganz schlecht isoliert. Im Keller dagegen musste das Fenster immer offen stehen, damit das Kohlefeuer nicht erstickte.

Und wie leben Sie heute?
In einem gut isolierten Fünf-Zimmer- Haus mit thermischer Solaranlage auf dem Dach. Das bringt viel, von April bis Oktober kann ich die Ölheizung meist komplett abstellen. Dennoch ist heute nicht alles besser. Ich mag einfache Technik, doch die wird immer komplizierter. Bei meiner 20 Jahre alten Heizung ziehe ich einfach den Stecker, wenn ich sie nicht brauche. Doch bei neuen Anlagen wird alles automatisch gesteuert. Ich fürchte bereits den Tag, an dem meine Heizung aussteigt.

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