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Gemeinsam stärker 

(v.l.n.r.) Noah (15), Timon (22), Simea (12), Tirza (19), Micha (26), Joas (25), Gabriel (13), Ramon (25), Mutter Priska (53)
(v.l.n.r.) Noah (15), Timon (22), Simea (12), Tirza (19), Micha (26), Joas (25), Gabriel (13), Ramon (25), Mutter Priska (53)

Ob Fussball spielen oder musizieren, haushalten oder renovieren – die Familie Bühler macht fast alles zusammen. Die zehn Kinder finden es toll, in einer so grossen Familie zu leben.

Dinge anpacken und selbst lösen. Das ist die Devise der Familie Bühler aus Basadingen. Mit zehn Kindern hat die Familie ausreichend fleissige Hände, die mithelfen – vor allem jetzt, wo die Kinder älter sind. Selbst Nesthäkchen Simea, eines von drei Mädchen unter sieben Jungen, ist mit seinen zwölf Jahren gross genug, um einige der zahllosen «Ämtli», wie Tischdecken, Geschirrabräumen, Badezimmerputzen oder Wäschezusammenlegen, zu übernehmen. Mutter Priska Bühler (53), eine gelernte Handarbeits- und Hauswirtschaftslehrerin, aktualisiert regelmässig den Übersichtsplan, auf dem alle Aufgaben der Familienmitglieder festgehalten sind. «Meine Mutter ist ein Organisationstalent», sagt die 19-jährige Tirza.

Dachboden neu isoliert

Simea (12)
Simea (12)

Neustes Grossprojekt der Familie Bühler war der Umzug in das etwa 100 Jahre alte Bauernhaus in Basadingen. Erst vor fünf Jahren sind die Familie und Priska Bühlers Vater, der 84-jährige Hans-Peter Forster, in den Gebäudekomplex mit seinem 2 000 Quadratmeter grossen Grundstück gezogen. Der Komplex bietet zwar viel Platz, doch waren einzelne Räume in einem sehr schlechten Zustand. Die grösste Baustelle: der Dachboden. Die Balken waren zum Teil vom Holzwurm befallen, der Estrichboden nicht isoliert und drohte an manchen Stellen bei Betreten einzubrechen. In einer Gemeinschaftsaktion wurden die Bodenbretter herausgerissen, die Dachträger- und Deckenbalken abgeschmirgelt sowie ein neuer Holzboden frisch verlegt. Die Zwischenräume des Holzbodens wurden mit einem biologischen Dämmstoff ausgeblasen. Nebst der Beratung und Hilfe eines Zimmermanns kam der Familie dabei zugute, dass Micha (26) und Ramon (25) eine Ausbildung als Schreiner haben. Jetzt ist das Haus zum Dach hin gut isoliert und bietet zudem viel Stauraum für die Winter- beziehungsweise Sommerbekleidung der vielköpfigen Familie.

Obwohl sich die Familie laut eigener Aussage gar nicht so viele Gedanken um Energie macht, geht sie fast in allen Bereichen sehr bewusst mit den Ressourcen um. So hat die Familie auch den alten Kachelofen des Hauses zu neuem Leben erweckt. «In der Übergangszeit heizen wir morgens den Kachelofen mit Holz von einem Bauern aus dem Nachbardorf», erzählt Priska Bühler. «Der wärmt die angrenzenden Räume über Stunden.» Wem dennoch kalt ist, der zieht einfach einen dickeren Pullover über. Die grosse Heizung, die sowohl mit Öl als auch Holz befeuert wird, kommt erst im Winter zum Einsatz.

Kochen, Heizen, Räuchern

Priska Bühlers Lieblingsgerät ist ein alter Tiba-Herd, den die Familie beim Kauf des Hauses miterworben hat. Der Herd wird ebenfalls mit Holz befeuert, seine grosse gusseiserne Fläche dient zugleich zum Kochen und zum Heizen der Küche. Der Rauchabzug ist an den Kamin angeschlossen. «Oben auf dem Dachboden ist im Kamin eine Räucherkammer, in der ich Mostbröckli oder Speck räuchere», erzählt die Mutter, die zudem grosse Mengen an Gemüse selbst anbaut. «Ausser Rübli und Zwiebeln kaufe ich eigentlich nichts dazu.» Die sieben familieneigenen Hühner sorgen zudem für Eier.

Da sich die sieben im Haus verbliebenen Kinder – Silas (28), Lea (27) und seit Kurzem auch Micha (26) sind bereits ausgezogen – gemeinsam mit den Eltern zwei Badezimmer teilen, sind alle fast zwangsläufig auch einen sparsamen Umgang mit Wasser gewöhnt. «Ich brauche höchstens fünf Minuten in der Dusche», erzählt der 22-jährige Timon, der gerade seine Ausbildung zum Primarlehrer beendet. Joas (25) hatte zudem die Idee, das sich nur langsam erwärmende Duschwasser in einem grossen Eimer aufzufangen und es für die Toilettenspülung zu verwenden.

Familienbus Marke Eigenbau 

Auch bei der Transportlösung für die gesamte Familie setzen die Bühlers auf Innovation. Mit Sondergenehmigung des Strassenverkehrsamtes liessen sie ihren mittlerweile 16 Jahre alten Kleinbus mit zusätzlichen Klappsitzen ausstatten. Einmal im Jahr, immer im Herbst, fährt die ganze Familie mit dem Bus, und mittlerweile auch mit einem weiteren Auto der erwachsenen Kinder, in den Urlaub. «Ein Jahr gehts in der Schweiz in die Berge und das andere Jahr immer ans Mittelmeer, zum Beispiel nach Sizilien, in die Toskana oder nach Spanien», erzählt Ramon.

«Die Leute fragen sich immer, wie wir als Grossfamilie so in die Ferien können, aber das war nie ein Problem», sagt Tirza. Man müsse einfach das ganze Jahr über sparsam wirtschaften. Überhaupt stehen alle Familienmitglieder voll hinter dem Konzept «Grossfamilie». Zwar sind sich noch nicht alle sicher, ob sie selbst auch so viele Kinder wollen, doch auch ihre Mutter sagt, dass sich das eben auch so ergeben müsse. «Mein Mann und ich wollten zwar gerne Kinder, aber erst nach der-Geburt vom dritten Kind war ich sicher, dass ich noch viel mehr Kinder möchte», sagt sie.

Gabriel (13) beim Üben in seinem Zimmer
Gabriel (13) beim Üben in seinem Zimmer

Gemeinsam musizieren

Wie viele Vorteile eine Grossfamilie hat, zeigt sich nicht nur bei Renovierungs- und Hausarbeiten. Auch einen Grossteil ihrer Freizeit verbringt die Familie zusammen. «Es ist toll, dass man immer jemanden hat, mit dem man etwas machen kann», beschreibt die zwölfjährige Simea ihr Familiengefühl. Neben Sportarten wie Fussball oder Eishockey verbindet die Familie vor allem die Musik. Fast jedes Familienmitglied beherrscht mehrere Musikinstrumente. Am liebsten spielen sie selbst arrangierte Stücke oder Eigenkompositionen mit Jazz- und Blueselementen. «Wir haben sogar eine Art Familienband», berichtet Timon, der Klavier und Trompete spielt. Gemeinsam mit Silas, der Saxophon spielt, Micha am E-Bass, Ramon an der E-Gitarre und Joas am Schlagzeug hat er unter anderem bei seiner eigenen Maturapräsentation an seiner Schule ein kleines Konzert gegeben. Den Ursprung für die Musikliebe der Kinder legte Vater Lukas. «Mein Mann hat immer Klavier gespielt», erzählt Priska Bühler, «und die Kinder haben es einfach nachgemacht.» 
Inken De Wit

5/5 Sterne (2 Stimmen)

Spartipps von Grossfamilien

Nur so viel heizen wie nötig:
Im Winter lieber einen warmen Pullover oder eine Strickjacke überziehen, anstatt die Heizung höher zu drehen.

Wassersparen beim Duschen: Auf minutenlanges Dauerduschen verzichten und das anfangs kalte Wasser aus der Leitung in einem Eimer auffangen und zum Spülen der Toilette verwenden. 

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